Childaid Network

Reisebericht Assam – Teil 2

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Sep 17

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Die vorherigen Teile finden Sie am Ende dieser Seite

Heim Paltan Bazar

Hier finden Straßenjungen einen ersten sicheren Unterschlupf für die Nacht. Sie haben hier die Chance, sich an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen, um später den Einstieg in die Schule zu schaffen. Das Heim ist auch Wohnheim für ältere Jungen, die schon viele Jahre in der Betreuung von Snehalaya sind – jetzt stehen sie kurz vor ihrem Schulabschluss, oder beginnen eine Lehre. Einige von ihnen kenne ich schon lange, wie zb. Rakesh und Novojit. Wie Bishal habe ich die beiden vor 6 Jahren im Heim Jyoti kennengelernt. Damals waren sie noch süß und klein, heute mit ca. 14 Jahren sind sie so lang wie ich und versuchen cool zu wirken. Seit dem sie sich im Heim kennengelernt haben, sind sie dicke Freunde.

Rakesh, 2.von links und Novojit 3. von links im November 2016

Rakesh, 2.von links und Novojit 3. von links im November 2016

Rakesh 2006

Rakesh 2006

Novojit 2006

Novojit 2006

Rakesh kam mit ca. 3 Jahren ins Heim, er lernt gerne Englisch, zur Zeit ist er in der 5. Klasse. Sein Lieblingsessen: Hähnchen. Wenn er erwachsen ist will er „anderen helfen“… und Cricket-Spieler werden. Er schläft und tanzt gerne. Seine Mutter lebt noch, sie haben aber keinen Kontakt.

Novojit war ca. 4 Jahre alt als er ins Heim Jyoti kam. Er ist in Guwahati geboren, hat beide Eltern verloren. Viel redet er nicht, er mag Actionfilme und „in der Gegend rumlaufen“. Novojit geht in die 6. Klasse.
 
Der erste Tag, der Besuch im ersten Heim ist immer sehr aufregend. Ich freue mich darüber, dass die Kinder mich wiedererkennen, mir von ihren Erlebnissen berichten wollen. Nach jeweils 1 ½ Jahren haben sich viele äußerlich stark verändert. Da erinnert man sich an kleine Buben, die wild um einen herumgesprungen sind, und jetzt stehen da plötzlich Teenager!

 

Ashok und John Paul

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Nach unserer Rückkehr bekommen wir im Sommer 2017 diese schöne Erfolgsgeschichte aus dem Heim Paltan Bazar gemeldet: diese beiden glücklichen Helden haben sich während unseres Besuchs auf das CBSE-Board Exam vorbereitet (Abschluss der 12. Klasse, Hochschulreife). Im März 2017 haben Ashok und John Paul sämtliche Tests der 12. Klasse abgelegt und bestanden. Ashok kam mit 6 Jahren ins erste Snehalaya-Heim, John Paul mit 8 Jahren. Beide sind Waisen. Eine Erfolgsgeschichte!

Ashok 2006

Ashok 2006

John Paul 2006

John Paul 2006

Teil 1 - Ankunft in Guwahati

Bishal begrüßt uns

Frankfurter Flughafen, 11.11.2016, mittags

Wir sind wieder für die Stiftung Childaid Network auf dem Weg nach Nordostindien, um „unsere“ Kinder in den Snehalaya-Heimen der Millionenstadt Guwahati in Assam zu besuchen: Petra und ich als Beobachterinnen, Jan und Eva als Botschafter für die Unternehmen Ronnefeldt und Accenture, und Alexander, der für die Stiftung ein Standbein in der Schweiz aufbaut und die Projekte persönlich kennenlernen will.
Die Stiftung unterstützt neben vielen Projekten in der Kinder- und Jugendbildung auch 5 Heime mit insgesamt 220 Kindern in der Großstadt Guwahati/ Assam. Unsere Partner-Organisation dort heißt „Snehalaya“. Father Thadeus, Priester der Salesianer Don Boscos, ist Leiter der Heime – und versucht auch, ein Vater für die Kinder zu sein.

Ich bin nun zum 5. Mal in Assam zu Besuch. In diesem Jahr haben mich die Kraft und der Wille der älteren Kinder besonders beeindruckt. Deshalb will ich Ihnen mit diesem Bericht die Entwicklung dieser Kinder über die letzten Jahre zeigen.


Flughafen Delhi, Ankunft mitten in der Nacht

Meine Immigration ist – mit dem altmodischen Visum-Aufkleber – nach ½ Stunde erledigt. Das neue „Online-Visum“ meiner mitreisenden Kollegen aber macht Probleme. Sie bleiben stundenlang in den Schlangen vor den neuen Fingerkuppen-Scan hängen. Wir sind in Indien, selbstverständlich funktioniert keiner der 7 (sieben!) Scanner fehlerfrei. Bei hunderten Einreisenden pro Stunde kann das dann ein bisschen dauern. Das gibt mir Gelegenheit, mich stundenlang in den Schlangen vor mehreren Bankschaltern für indisches Bargeld anzustellen – leider erfolglos. Im größten Flughafen Indiens ist das Bargeld ausgegangen. Warum? Erzähle ich später….
Drei Stunden nach der Landung in Delhi sind wir alle durch die Immigration durch. Es bleiben uns 1,5 Stunden Zeit, um den Anschlussflug zu bekommen. Der Domestic Terminal liegt eine 25 min. Busfahrt entfernt. Wir haben es irgendwie geschafft, mit hängender Zunge.


Flughafen Guwahati, 12.11.2017, morgens

Mit 2 Flügen, 16 Stunden Reise und wenig Schlaf in den Knochen werden wir um 8 Uhr morgens in Guwahati von Bishal am Flughafen mit einem Plakat begrüßt: Sandra & Company, wie schön!

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Bishal ist eines der ersten Kinder, das ich in den Snehalaya-Heimen kennengelernt habe – ein lieber Junge mit einer schweren Vergangenheit. Er kam mit 3 Jahren ins Heim Jyoti, nach einem schweren Unfall auf den Bahngleisen. Eltern hat er nicht mehr. Über die große Narbe an seinem Hinterkopf sind jetzt Haare gewachsen. Er ist 15 Jahre alt, geht in die 8. Klasse, mag Mathe (weil die Lehrerin so nett ist) und will Sänger werden. Vor ein paar Jahren hatte er noch eine Cricket-Karriere im Auge, aber so ändern sich die Vorlieben. Er ist vom kleinen Clown zum ruhigen Teenager geworden. Er hat Englisch gelernt, wir können uns gut verständigen. Heute lebt er im Heim Paltan Bazar, zusammen mit den größeren Jungen.

 

Bishal 2006

Bishal 2006

und als Werbeträger im Jahr 2011

und als Werbeträger im Jahr 2011

Bishal, vorne rechts im Jahr 2009. Der Gründer und ehemalige Heimleiter Fr. Lukose zeigt den Kindern wo der Besuch aus Deutschland herkommt. Die Haare der Kinder? Kurzer Prozess nach einem Läusebefall…

Bishal, vorne rechts im Jahr 2009. Der Gründer und ehemalige Heimleiter Fr. Lukose zeigt den Kindern wo der Besuch aus Deutschland herkommt. Die Haare der Kinder? Kurzer Prozess nach einem Läusebefall…

 

Unsere Unterkunft in Guwahati

Wir fahren weiter in unsere Unterkunft für diese Woche, im Provincial House Guwahati, ein Verwaltungsgebäude der Salesianer. Nicht schön, nicht sauber, aber mit eigenem Bett (Holzauflage mit 3cm dicker Matratze) und sogar mit Warmwasser und manchmal auch WLAN. Das Badezimmer ist wie gewohnt mit Loch in der Wand, Spinnen und Schaben ausgestattet. Schnell auspacken…

Abends vor der Tür unserer Unterkunft in Guwahati

Abends vor der Tür unserer Unterkunft in Guwahati

Moskitotücher müssen sein...

Moskitotücher müssen sein…

und weiter geht es in das erste Heim…


 

Schauen Sie in zwei Wochen wieder rein für neue interessante Geschichten von der Reise nach Assam!

 

Fotos: Jan Holzapfel, Petra Hausmann, Sandra Hörbelt
Text: Sandra Hörbelt