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Teeanbau in Assam

Assam ist das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet mit 13 Prozent der weltweiten Ernte. Millionen Adivasi arbeiten dort wie Sklaven in zermürbender Akkordarbeit unter gleißender Sonne. Mit dem Pflücken solcher Teeblätter verdienen die Frauen weniger als 1 Euro pro Tag, zu wenig um die Familie zu ernähren. Deswegen müssen die Kinder oft mitarbeiten, damit die Familie überleben kann. Ohne Schulbildung setzt sich der Teufelskreis aus Ausbeutung und Armut in der nächsten Generation fort. In engagierter Motivations-Arbeit entwickeln wir mit den Familien Strategien, dies zu ändern. Wir ermutigen die Familien auf ihrer eigenen Parzelle hinter der Lehmhütte einen kleinen Teegarten anzulegen. Dafür erhalten sie vorgezogene Setzlinge auf Mikrokreditbasis von unseren Projektpartnern. Mit mobilen Lehrerteams befähigen wir sie, die Zucht und Pflege fachgerecht durchzuführen. Nach einer Anlaufzeit von 3-4 Jahren kann die Familie ihr Einkommen vervierfachen. Es ermöglicht den Eltern, die Kinder zur Schule zu schicken, statt sie in die Fronarbeit mitzuschleppen. Stolz und glücklich präsentiert Ravi Karketta seine Teepflanzen in Thorajan (Foto: Craig Pusey, März 2016).

 

Die Schattenseiten des Teeanbaus

Der Tee aus Assam ist weltweit bekannt. Die camellia assamica wächst nur hier, in den fruchtbaren Tälern des Brahmaputras, die das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt bilden. Boden und Klima bieten gute Voraussetzung für den Teeanbau in Assam. Während der Regenzeit fallen hier 250–300 mm Regen pro Tag. Die Temperaturen steigen auf bis zu 40 Grad und erzeugen Gewächshaus-ähnliche Konditionen. Über 680 Tonnen werden jährlich geerntet. Tee ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Adivasis bilden das Rückgrat der assamesischen Teeindustrie

Nach der Entdeckung der wilden Teepflanze in Assam in den 1830er Jahren begannen die britischen Kolonialherren damit, Land der Stämme zu enteignen und dort Teebarone aus Großbritannien anzusiedeln. Doch die Einheimischen waren nicht willens, dort zu arbeiten. Um die Nachfrage nach günstigen Arbeitskräften zu decken, ha­ben die Briten etwa 1,2 Millionen Angehörigen von Eingeborenenstämmen (Adivasis) aus den indischen Bundesstaaten Andhra Pradesh, Bihar, Jharkhand und Orissa als Zwangsarbeiter nach Assam verschleppt. Sie gelten als „Unberührbare“ und wurden von den Plantagenbesitzern wie Leibeigene behandelt. Dies machte den Assam-Tee unschlagbar günstig und ebnete den Weg für eine der bekanntesten Teesorten der Welt.

Abhängigkeit und niedrige Löhne verhindern Bildung

Heute arbeiten die Adivasis aus freien Stücken auf den Teeplantagen. Doch das Bestellen und Ernten in der prallen Sonne ist harte körperliche Arbeit und schon die Kleinsten müssen mitarbeiten, um den Unterhalt der Familie zu sichern. Den ganzen Tag verbringen die Pflücker auf dem Feld – für einen Schulbesuch bleibt den Kindern weder Zeit noch Energie. Ein kleiner Lohn ist selbstverständlich besser als gar keiner. Jedoch verdienen die Teepflückerinnen weniger als 1€ am Tag für die mühsame Arbeit, die sie verrichten. Über ihre im Gesetz für Minderheitengruppen festgeschriebenen Rechte haben sie keine Kenntnis. Da die Teearbeiterinnen abhängig von den großen Teebaronen sind, ist ein Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt kaum möglich, ihr Lohn nicht verhandelbar. Der Weg aus der Armut ist daher für die meisten Familien fast unmöglichen. Wir unterstützen die Adivasis dabei, sich auf eigenen Land einen kleinen Familienteegarten aufzubauen. Bei erfolgreicher Umsetzung können sie damit das Vierfache verdienen und ihre Kinder zur Schule schicken.