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Stammesgebiete in Nordostindien

 

Zwischen Minderheitenschutz und Sezession

Die sieben Schwesterstaaten sind arm und von der Landwirtschaft geprägt. Die einzige Millionenstadt Guwahati ist alleiniger Verkehrsknotenpunkt, der sie mit dem übrigen Indien verbindet. Am indischen Wirtschaftsboom haben die wenigsten Menschen hier einen Anteil: Die mangelnde Infrastruktur und die zerklüfteten Bergregionen isolieren die Staaten verkehrstechnisch, während das gespannte Verhältnis zu Bangladesch, ein Grenzkonflikt mit dem großen Nachbarn China und natürlich die inneren Probleme mit separatistischen Volksgruppen wie den Nagas und den Bodos die Region in politische Isolation treiben.

Eine Vielvölkerregion abseits der boomenden Wachstumsmärkte

Wenn die meisten Menschen sich die Bevölkerung Indiens vorstellen, so passen viele der 45 Millionen Bewohner dieser Teilstaaten nicht so Recht ins Bild: Indigene Stammesgesellschaften mit uralten animistischen Glaubensformen sind ebenso Teil der Bevölkerung wie die großen christlichen Mehrheiten in Mizoram und Meghalaya oder die muslimischen Minderheiten in Tripura und in Assams Tälern. Auch die meistgesprochenen Sprachen haben oftmals mit der ohnehin vielfältigen indoarischen Sprachfamilie, die den Norden des Landes prägt, nicht viel zu tun. Ihre Verwandtschaften reichen von China über Myanmar bis nach Vietnam. Typischere Sprachen wie Bengali  oder Hindi sind zwar verbreitet, dennoch tragen die Mehrheitssprachen Namen wie Ao, Kokborok oder Nissi.

Kinder als Leidtragende der ökonomischen Situation

Viele Kinder gehen aufgrund der Mängel des Ausbildungssystems, aber auch wegen sprachlicher, religiöser und sozialer Hürden und der Pflicht, zum Überleben der Familie beitragen zu müssen, nicht zur Schule oder verlassen diese viel zu früh.

In Nordostindien besteht grundsätzlich die allgemeine Schulpflicht vom 7. bis 15. Lebensjahr. Dennoch kann die große Mehrheit der Menschen nicht lesen und schreiben. In vielen Bergdörfern liegt die Analphabetenrate bei über 90%. Der Zugang zum Bildungssystem ist stark abhängig vom Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses. Ein großer Teil der Jugendlichen bleibt ohne Chance auf eine gute Arbeit und hat geringe Aussicht auf verbesserte Lebensverhältnisse. Auf dem Land gibt es für die meisten Kinder und Jugendlichen keine oder keine guten staatlichen Schulen und in den schnell wachsenden Städten stoßen Schulen und Colleges an ihre Kapazitätsgrenzen.